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Während ich mich durch die schreiende Masse in Midgar durchdrücke, fühlt sich die Nachwirkung der Explosion des Mako Reaktors zum Greifen nahe an. Sirenen heulen erbarmungslos. Schutt und Trümmer bedecken die sonst so lebendigen Straßen. Aber ich sollte nicht stehenbleiben. Ich bin wieder im Hier und Jetzt, laufe weiter, vorbei an Feuerwehrmännern, die verzweifelt versuchen den Flammen Herr zu werden, die drohen eines der Gebäude vor mir zu verschlucken. Immer weiter entferne ich mich vom zusammenstürzenden Kern der Stadt und kann nicht anders, als erneut anzuhalten und auf Sanitäter zu starren, die versuchen einer Frau zu helfen, die reglos auf dem Boden liegt. Das Schlimmste an der ganzen Situation? Ich bin schuld. Während die Realisation, dass die eigene Bombe viel mehr Schaden angerichtet hat, als man annahm, 1997 bereits eine schreckliche Offenbarung war, fühlt sie sich in Square Enix Neuauflage noch viel schlimmer an. Zum ersten Mal erweckt Final Fantasy VII echte Schuldgefühle in mir. Im Original rennen wir tatsächlich weg vor den Konsequenzen, doch die cineastische Neuerzählung zeigt euch jedes einzelne Detail und zwingt somit den Spieler, sich mit den nicht intendierten Nachwirkungen von Clouds verhauener Mission auseinanderzusetzen.

LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK

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Es ist die Hochzeit von atemberaubender neuer Technologie und die noch tiefergehende Geschichte, die meine Zeit mit dem Final Fantasy VII Remake am besten zusammenfasst. Während das blockige Original von Story-Element zu Story-Element sprang, gibt Square in dieser Rückkehr nach Midgar jedem dramatischen Moment genug Luft zum Atmen. Schon damals hatten wir das Gefühl, dass Midgar zu mächtig ist, um es nur mal kurz zu besuchen. Und jetzt, dank der bahnbrechenden visuellen Qualität, die moderne Konsolen mit sich bringen und dank des großen Umfangs der Multi-Saga, lässt uns das Final Fantasy-Team wirklich jedes Detail ihrer hingebungsvollen Kreation erleben. Trotzdem gibt es nicht nur bekannte Szenen zu bestaunen. Wie schon in den ersten Trailern angedeutet, gibt es eine überraschende Anzahl an neuen Inhalten. Im Original, nachdem der Mako Reaktor in die Luft gesprengt wurde, sind die Öko-Terroristen umgehend abgehauen und haben ein bisschen miteinander gesprochen, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Ihre Flucht aus dem Reaktor nimmt jetzt eine ganz neue Bedeutung an.

Denn dieses Mal fühlt sich die Rückkehr nach Midgar um einiges länger und wohlüberlegter an. Während das Team nervös lacht und rumscherzt, sorgt die Reise zurück für ein falsches Gefühl der Sicherheit. Doch das gibt Zeit, damit die Persönlichkeit jeder Figur mehr ausgearbeitet und die Dynamik der Gruppe mehr beleuchtet wird.


EINE STIMME FÜR DIE STUMMEN

Und wo wir gerade bei Neuerungen sind, ein Aspekt, der sofort auffällt beim ikonischen Cast von FFVII — die Stimmen. Als wir Midgar auf der PlayStation 1 erkundet haben, gab es nur unzählige Texte zum Lesen und Nobuo Uematsus gänsehauterregenden Soundtrack, der die Atmosphäre untermalt. Jetzt endlich hat aber jede Figur ihre eigene Stimme bekommen. Natürlich gibt es ein kleines Risiko, wenn stumme Protagonisten, wie Cloud, Tifa oder Barret auf einmal eine Stimme haben. Ähnlich wie bei einem guten Buch haben Fans schon lange im Kopf, wie sich die Figuren tatsächlich anhören. Doch jetzt, 23 Jahre nach der Veröffentlichung des Originals, hat die bunt gemischte Gruppe die passenden Stimmen abbekommen. Selbstredend gab es aber schon in Iterationen wie in dem Film „Final Fantasy VII: Advent Children“ einen synchronisierten Cast, aber wir sprechen ausschließlich vom Spiel.

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Der ulkige Wedge wird vom brillanten Matt L. Jones (besser bekannt als Badger aus Breaking Bad) gesprochen. Der grüblerische Cloud wird von Teen Wolf und Pretty Little Liars Schauspieler Cody Christian zum Leben erweckt und Tifa wird von G.L.O.W.‘s Britt Baron gesprochen. Bisher scheinen sie einen großartigen Job zu machen, insbesondere, da jeder Charakter noch mehr Dialoge bekommen hat, um die Figuren noch weiter zu beleuchten. Dass die Umwelt und die ikonischen Helden besser aussehen, liegt natürlich auf der Hand. Aber dass sie sich auch menschlicher anfühlen? Das ist das wahre Geschenk an die Fans. Und diese Aussage könnte nicht wahrer sein, denn wir bekommen sie beim frühen Auftritt des unfassbar coolen Antagonisten — Sephiroth – bestätigt. Sie werden von dem Einschlag der Bombe regelrecht gejagt und merken, wie angeschlagen sie sind. Sie stolpern durch die verwirrte Masse und Cloud findet sich wenige Sekunden später in einer Seitengasse wieder, die noch etwas viel schrecklicheres bereithält, als das Ausmaß der Bombe. Während wir im Original nur erste Anspielungen auf den mysteriösen Widersacher sahen, ist die Rolle des schwertschwingenden Psychopathen von vorneherein um einiges offensichtlicher. Dank der episodischen Natur (und die Masse an neuen Spielern) wird die Beziehung von Cloud und Sephiroth schon früh angeteast – und um einiges klarer als im Original – was eine ausgezeichnete Entscheidung ist.

BESSER ALS VORHER

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Als ich auf der E3 2019 die erste Demo von Final Fantasy VII Remake spielte, bereitete mir etwas Kopfzerbrechen — die Kämpfe. Obwohl alles großartig aussah und sich gut anfühlte, hatte ich Angst, dass — ähnlich wie bei FFXV — Kämpfe schnell zum hektischen Knöpfchendrücken werden würden. Zum Glück wurde diese Sorge nicht bestätigt. In der fast dreistündigen Demo gab es auf “normalem” Schwierigkeitsgrad einiges an Tiefe und Herausforderung — gerade Gegner im späteren Verlauf sorgten für einiges an Ärger. Die neue Kampfmechanik bringt smarterweise auch neue Gegner mit sich. Im Original haben wir meistens immer wieder dieselben Gegner an den gleichen Stellen auftauchen sehen, wodurch es mit der Zeit keine Herausforderung mehr war. Jetzt gibt es aber nicht nur abwechslungsreiche Feinde anzutreffen, sondern auch zufällige Fallen, in denen Elite-Gegner darauf warten, euch das Leben richtig schwer zu machen.

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Verschiedene Gegner benötigen verschiedene Strategien, was ein angenehm frischer Wind ist. Dadurch können Kämpfe nicht blindlinks angegangen werden, sondern man muss gut überlegen, was einen erwartet. Die Schwierigkeitsstufen für Mini-Bosse fühlten sich herausfordernd an, ohne dass sie unfair oder frustrierend wirkten. Im Gegenteil. Die schönste Überraschung ist aber, wie die Entwickler es gelöst haben, wie man seine Teammitglieder kontrolliert. Während man erst gar nicht wechseln möchte, da es zu viel Umgewöhnung mit sich bringt, ist es fast schon komisch, die Charaktere nicht im Kampf auszuwechseln. Man kann jede Figur im Kampf auswählen und alle fühlen sich nicht nur unterschiedlich, sondern auch intuitiv an. Tifas schnelle und agile Angriffe fühlen sich grundverschieden zu Clouds schwerem Schwert an. Beschwörungen gibt es natürlich auch. Dieses Mal sind es temporäre Verbündete, die sich wie ein typisches MMO-Pet anfühlen. Ifrit und der Rest bombardieren Gegner mit Standard-Attacken und haben zwei Fähigkeiten, die der Spieler auslösen kann – wenn genug FP (Fähigkeitspunkte) vorhanden sind. Schönerweise endet jede Beschwörung mit einem Knall — eine krasse Attacke wird entfesselt und trifft jeden Gegner, der unglücklicherweise im Weg stand.

MIT VOLLER GESCHWINDIGKEIT

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Dank der blitzschnellen Natur jeder Auseinandersetzung ist der Rest vom Spiel angepasst worden, um nicht hinterherzuhinken. Beim Sprinten durch Midgars Mako Reaktor geht Erkunden und Kämpfen unmerklich ineinander über, wodurch die Spannung bei der Flucht vor der Bombe nicht gestört wird – im Gegenteil, es wird noch nervenaufreibender. Es hilft, dass dem Soundtrack neues Leben eingehaucht wird und einen anspornt. Während Nobu Uematsus ikonischer Soundtrack für die PS1 einige erinnerungsträchtige Melodien mit sich brachte, wurden die komprimierten Piepser mit einem Live-Orchester bombastisch eingespielt. Aber es sind nicht nur die gleichen Sounds, die das Abenteuer begleiten. Die Musik ist dem Gameplay angepasst, so dass eine dynamische Untermalung dafür sorgt, dass man jeden Schwung von Clouds Schwert genau wahrnimmt. Lange Rede, kurzer Sinn — Das Warten auf Final Fantasy VII Remake scheint sich gelohnt zu haben. Dank der außerordentlichen Grafik und Squares neugefundenen Liebe zur Cineastik, fühlt sich Midgar wie eine lebende, atmende Stadt an, von der Fans immer geträumt haben.

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Tatsächlich ist das Projekt so riesig, dass es sich fast schon unfair anfühlt, es mit anderen Remakes zu vergleichen. Ähnlich wie Rogue One, wird hier eine bekannte Geschichte in einer neuen Form gezeigt, und so fühlt sich auch FFVII weniger wie ein Schritt-für-Schritt Remake an, sondern eine liebevolle Neuerzählung einer geliebten Welt – in der man schon die ein oder andere Ecke gut kennt.

Während wir bisher nur die bereits bekannten Aspekte des Spiels gesehen haben, hoffen wir, dass auch die noch unbekannten Komponenten von Final Fantasy VII Remake die Qualität dieser ersten Stunden halten kann – denn dann hätten wir wirklich etwas ganz besonderes.

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