Final Fantasy Almanach
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Final Fantasy Almanach

Bis zum Release der vierten Erweiterung von Final Fantasy XIV dauert es noch sooo lange... ganze fünf Monate werden wir uns noch gedulden müssen, bevor der Krieger des Lichts, der Dunkelheit und des stoischen Nickens neuen Abenteuern entgegengeht. Bis dahin kann man völlig hirnverbrannt irgendwelche Widerstands-Waffen farmen, im drölfundachtzigsten Lockout von E9s vor sich hinwipen für Ausrüstung, die man eigentlich nicht braucht, oder sich wie ein ausgehungerter Wolf auf die paar Infos stürzen, die wir schon haben.


Mit der Zeit hat die FFXIV-Community es sich zum Hobby gemacht, den Namen einer neuen Erweiterung vorauszusagen, und zwar anhand von Urheberrechten, die sich Square Enix für bestimmte Begriffe sichert. So ist etwa zwischen dem Patent auf "Heavensward" und der Ankündigung der gleichnamigen Erweiterung ungefähr so viel Zeit vergangen wie zwischen dem Patent auf "Stormblood" und "Shadowbringers" und den dazugehörigen Ankündigungen.

Auf diese Weise wurde für die vierte Erweiterung der Name "Forspoken" vorhergesagt, und die Überraschung war groß, als der erste Teaser-Trailer über die Bildschirme flimmerte und am Ende der Schriftzug Endwalker erschien, ich kenne niemanden, der mit etwas Anderem gerechnet hat als Forspoken. Der Name wurde am Ende übrigens für ein Spiel verwendet, das zunächst unter dem Arbeitstitel "Project Athia" bekannt war, hier gehts zum Trailer. Aber genug der einleitenden Worte!


FFXIV Endwalker Promo-Artwork.jpg

Endwalker wird ab dem 19. November für Vorbesteller spielbar sein und dann am 23. November offiziell live gehen - und wie zu jedem Final Fantasy-Titel gibt es auch hierzu einige sehr geile Artworks. Das erste ist ein Promo-Artwork, das die Hauptcharaktere der neuen Erweiterung zeigt, und es wirft einige Fragen auf.

Wir sehen den Bund der Morgenröte inklusive seiner neuesten Zugänge G'raha Tia und Estinien Drachenblut, und natürlich auch das wohl prominenteste Mitglied des Bundes, den Krieger des Lichts. Seine Position auf dem Artwork wirkt allerdings etwas... ungünstig? Ganz vorne, wo man den Hauptcharakter erwarten würde, steht stattdessen Tataru (die allerdings so klein ist, dass man sie eigentlich nach vorne schubsen muss), und Derplander steht neben jemandem, den man im Leben nicht im Bund begrüßen würde, nämlich den lebensverachtenden Kronprinzen Garlemalds, Zenos yae Galvus. Gut, "Hauptcharaktere" schließt auch den Feind mit ein, aber die Konstellation von einem Haufen Scions und dieser ollen Drecksau ist trotzdem merkwürdig.

Zudem sehen wir ganz oben ein neues Gesicht, über dessen Identität wir bisher nur mutmaßen können. In der letzten Cutscene der letzten Quest von Shadowbringers spricht die Dame kurz mit dem Krieger des Lichts, versäumt es aber, sich ihm vorzustellen - ihr geisterhaftes Erscheinen, ihre Maske und die Handlung rund um Elidibus lassen allerdings erahnen, dass es sich bei der Frau um Hydaelyns Herz handelt, besser bekannt als Venat. Zwar kennen wir Venats Geschlecht (noch) nicht, jedenfalls war er oder sie der Amaurotine, der die Beschwörung von Hydaelyn in die Wege geleitet hat und zu ihrem Herz wurde - und so wie Zodiark sein Herz in Form eines Primae zurückgeholt hat, könnte Hydaelyn das gleiche mit Venat getan haben. Aber wenn es wahr ist, warum erscheint sie erst jetzt vor uns...?


FFXIV Endwalker Artwork Amano.png

Das zweite Werk stammt aus der Feder von Yoshitaka Amano, dem Gott der abgefahrenen Artworks, und zeigt die zwei Ur-Primae, Hydaelyn und Zodiark. Es wird vom Schriftzug ein wenig verdeckt, aber Beide greifen nach einer Sphäre, bei der es sich wohl um den Planeten handelt - was Sinn macht, immerhin sind sie Beide eine Manifestation des Willens des Planeten. Klingt erstmal nach einer tollen Koexistenz, aber so läuft das leider nicht, weil sie gegensätzliche Prinzipien vertreten. Zodiarks Anhänger wollen das Urvolk wiederbeleben und dafür alles opfern, was nach der Apokalypse an neuem Leben entstanden ist, während Hydaelyns Fraktion genau dieses neue Leben schützen will - das ist zumindest die Kurzfassung.

Bisher haben wir Hydaelyn als eine gutartige Entität des Lichts wahrgenommen, und Zodiark im Gegensatz dazu als eine bösartige Entität der Dunkelheit. Nun wissen wir spätestens seit Shadowbringers, dass dieses Schwarz-Weiß-Denken großer Bullshit ist - ich meine, wir haben die halbe Erweiterung lang gegen das Licht gekämpft, weil es "böse" war. Und das wirkt sich auch auf meine persönliche Sichtweise auf Hydaelyn und Zodiark aus, zumal sie Beide nur ihre Beschwörer schützen wollen, das ist grundsätzlich weder gut noch schlecht. Eigentlich wollen wir Zodiark nur deswegen nicht, weil der Krieger des Lichts und so ziemlich alle, die er kennt, zum "neuen Leben" zählen, das zugunsten des Urvolkes geopfert werden soll. Aber heißt das im Gegenzug, dass Hydaelyn unserer vollen Unterstützung würdig ist? Ich denke eher nein, und das aus zwei Gründen.

Der erste Grund ist das Amano-Artwork: Hydaelyn wirkt darauf sehr herrisch, sie ist sogar bewaffnet und scheint sich ihres Sieges über Zodiark sicher zu sein. Zodiark dagegen sieht aus, als würde er große Schmerzen leiden und um sein Leben fürchten, und naja... wenn eine so mächtige Kreatur Schiss vor ihr hat, sollten wir es dann nicht auch...?

Der zweite hat hauptsächlich damit zu tun, wie Final Fantasy im Allgemeinen mit Göttern oder Religion umgeht. In den Spira-Spielen etwa wird ganz Spira von Yevon zusammengehalten, einer Religion, die sich im Verlauf von Final Fantasy X als ein Haufen linker Schweine herausstellt, die lieber die Macht über eine im Sterben liegende Welt beibehalten und dafür auf Biegen und Brechen irgendwelche verkorksten Traditionen aufrecht erhalten wollten, anstatt mal etwas Neues auszuprobieren und damit vielleicht das Volk in ein Zeitalter des Friedens zu führen. In Final Fantasy XII schicken sich die götterartigen Occuria an, die Geschicke der Menschheit zu führen, und bringen Prinzessin Ashe beinahe zum Genozid an den Archadianern, nur weil die Occuria pissig darüber sind, dass ihnen jemand die Kontrolle über das sterbliche Volk entreißt. Und in Final Fantasy XIII kümmern sich die Fal'Cie augenscheinlich liebevoll um die Bewohner von Cocoon und würden ihnen nötigenfalls auch die Windeln wechseln... aber auch nur, weil sie eine einzige gigantische Opfergabe für einen Gott sind, dem außer seiner eigenen Macht eigentlich alles egal ist.

Kurzum: Göttliche Wesen in Final Fantasy sind scheiße, und warum sollte es mit Hydaelyn anders sein?


Ich wollte eigentlich noch sehr viel mehr (also wirklich seeehr viel mehr) schreiben, aber das hier ist jetzt schon deutlich länger geworden als geplant. Wer alles bis zum Ende durchgelesen hat, darf sich gerne eine Gewürzgurke nehmen (Kekse sind leider aus), und nächstes Mal bringe ich weiteres Endwalker-Hype-Material mit.

Bis dahin, eure herzallerliebste
--Astrologe Symbol FFXIV.pngFlüstergras