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Mit Patch 5.4 von Final Fantasy XIV hat die Raidreihe Eden ihren Abschluss gefunden, und ich habe sie echt gehypet - allerdings habe ich auch von vielen Seiten Kritik gehört und habe deswegen beschlossen, die Reihe und besonders ihren letzten Teil etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Logischerweise werden in diesem Post auch SPOILER umherfliegen, nicht nur zu FFXIV, sondern auch zu FFVIII - ihr seid gewarnt.

Handlung

Mitten in der großen Leere findet Ryne ein gigantisches Wesen, den ersten Sin Eater - sie vermutet, dass man seine Macht nutzen könnte, um das Leben in der großen Leere wiederherzustellen, und nennt das Wesen daher "Eden", was in der Sprache der Pixies so viel wie "Paradies" bedeutet.

Mit Edens Hilfe werden nach und nach die einzelnen Elemente wiederhergestellt: zu diesem Zweck beschwört der Krieger des Lichts einen elementaren Primae basierend auf seinen eigenen Erinnerungen, besiegt ihn im Kampf und lässt so den elementaren Äther der Kreatur frei. Klingt nach ziemlich viel Spaß, aber was der Krieger des Lichts sich da ausdenkt, lässt stark an seiner mentalen Gesundheit zweifeln. Plötzlich hat Leviathan zwei Köpfe, Ramuh hat statt seines berühmten Rauschebartes Ixions Unterleib, und von Titan will ich gar nicht erst anfangen. Zwischen den Beschwörungen taucht auch literally aus dem Nichts dieses Mädchen auf, das anscheinend über die Mächte der Dunkelheit verfügt, und immer wieder mal die Stimme einer "Elfe" in ihrem Kopf hört. Naja, Ryne ist das Orakel des Lichts, dann wird diese Fremde, die sich Gaia nennt, wohl das Orakel der Dunkelheit sein. Passt schon.

WTF Ryne.

Es läuft alles ziemlich gut mit der Wiederherstellung, bis das letzte Element, Eis, auf dem Plan steht. Der Krieger des Lichts berichtet von Ysayle, welche, um den tausendjährigen Drachenkrieg zu beenden, ihren eigenen Körper als Gefäß für die Beschwörung der Heiligen Shiva in Gestalt einer Eisgöttin benutzt hat. Ryne denkt sich: "Boah cool, das will ich auch machen" - Thancred hält das für eine ziemlich bescheuerte Idee, und er sollte Recht behalten, denn nur wenige Sekunden nach ihrer Verwandlung zu Shiva verliert Ryne die Kontrolle über sich selbst und muss mit Gaias Macht der Dunkelheit zurückgehalten werden, bevor sie versehentlich eine neue Flut des Lichts auslöst.

Hier beginnt nun der letzte Teil der Handlung, und man stellt fest, dass im Rahmen des Shiva-Desasters wohl doch zu viel Licht im Spiel war, das jetzt langsam die Fortschritte in der großen Leere zunichte macht. Also beschwört der Krieger des Lichts noch kurzerhand eine Manifestation der Dunkelheit, macht sie platt und dann ist alles tutti, richtig? Falsch! Denn plötzlich steht der Überraschungs-Ascian Mitron auf der Matte, erzählt allen, dass Gaia in Wirklichkeit der Ascian Loghrif ist, und entführt sie, weil sie anscheinend schon seit ihren Tagen in Amaurot ein unzertrennliches Paar sind und es ja wohl nicht angehen kann, dass seine Ische jetzt mit dieser Schnepfe des Lichts abhängt.

Dazu kommen einige sehr coole Verknüpfungen mit der Hauptstory, sodass herauskommt, dass Loghrif und Mitron für den Shadowkeeper verantwortlich sind, der vor 100 Jahren von Ardbert und seinen Freunden besiegt wurde. Danach hat Ardbert Mitron mit einer Klinge des Lichts angegriffen, die einen Ascian normalerweise vernichtet, aber Mitron trug eh schon so viel lichtelementaren Äther in sich, weil er eigentlich eine Flut des Lichts verhindern wollte, und das zusätzliche Licht hat ihn dann in den Sin Eater verwandelt, den wir als Eden kennen, und dann die Welt mit Licht überflutet. Oops. Die ganze Story lässt auch Emet-Selch ziemlich schlecht dastehen, denn er hat mit Mitron zusammengearbeitet und ihn dann einfach sein Sin Eater-Dasein fristen lassen, anstatt seinem Kollegen zu helfen.

Um Gaia an sich zu binden, löscht Mitron nach und nach ihre Erinnerungen an Ryne aus, und das gipfelt darin, dass die Beiden sich in dieses groteske Etwas mit einem Baum auf dem Kopf und diesen Traubentittchen verwandeln, Gaias Erinnerungen manifestieren und zerschmettern. Doch mit der Kraft der Freundschaft kann Mitron bezwungen und Gaia befreit werden, und sie erhält sogar ihr Gedächtnis zurück - Happy End!

Wenn man sich allein die Story ansieht, kann man nachvollziehen, warum es Leute gibt, die von Eden enttäuscht sind. Es fing mega gut an mit der Wiederherstellung des Lebens in der großen Leere, und dann schwang das Ganze irgendwie über zu noch einem verdammten Ascian, der durch ein albernes Anime-Motiv besiegt wurde. Zumal auch einige Fragen aufgerissen wurden und dann unbeantwortet blieben, vor allem über Gaia als Ascian, zum Beispiel, warum sie, obwohl sie Zodiark mitbeschworen hat, nicht von ihm besessen ist. Oder warum sie erwähnt, dass sie mit ihren Fähigkeiten in die Source reisen könnte, dies dann aber nicht einmal versucht. Ich bezweifle, dass es passiert, aber ich hoffe auf noch eine Quest in Patch 5.5, die das irgendwie aufgreift, denn aktuell wirkt das alles etwas unfertig auf mich.

Fanservice

Warum sie im Eden-Raid ist, Artemisia aber nicht, werden wir wohl nie erfahren.

Kommen wir also zu dem, was meiner Meinung nach den Raid echt gut macht, nämlich zum Fanservice. Ich meine, so gut wie jeder hat Artemisia als Endboss erwartet und sie nicht gekriegt, trotzdem war ich deswegen nicht enttäuscht. Zum Einen wäre da die Musik: in den ersten beiden Kämpfen werden wir von einem Arrangement des FFVIII-Zufallskampfthemas "Don't Be Afraid" begleitet. Verdammt cool, passt aber nicht so ganz zum Boss von E9: der Wolke der Dunkelheit aus FFIII. Wie die sechs Elementar-Primae wurde sie zur Wiederbelebung der großen Leere beschworen, und während die alle einen Remix ihres eigenen Themas bekommen habe, wurde die Wolke mit einem Stück aus einem ganz anderen Spiel abgespeist, obwohl sie eigentlich auch ihr eigenes Thema hat. Weird. Zudem regen sich viele Leute auf, dass man für den Boss einfach das Modell aus Dissidia kopiert hat, aber mal ehrlich, das war bei Exdeath und Kefka nicht anders, und da hat sich keine Sau aufgeregt.

In E11 war ich dann so richtig im Hype Mode, als "The Legendary Beast" gespielt wurde, das erste von drei Themen aus dem finalen Bosskampf in FFVIII. Die anderen beiden sind übrigens "Maybe I'm A Lion", das es als Cameo in den Errungenschaften des Gunbreakers "Vielleicht bin ich ein Löwe" ins Spiel geschafft hat, und "The Extreme", das anscheinend in E12s gespielt wird. "The Extreme" hab ich in FFXIV noch nicht gehört, weil ich eigentlich keine E12s-Spoiler will (klappt so mäßig, ich kenne mittlerweile alles außer dem Thema und der Phase Transition QQ), aber ich bin megamäßig hyped darauf!

In E12 haben wir zwar keine FFVIII-Musik, dafür bedient der Boss sich äußerst großzügig an der Draw-Mechanik. Er zieht unsere Erinnerungen wie einen Zauber aus uns, sogar mit der gleichen Animation wie aus FFVIII, und kann diese Erinnerung dann entweder lagern und später benutzen, oder sofort zaubern. Obendrein koppelt er auch noch unsere Erinnerungen an Mario Kart-Titan und Shivaryne an sich und verwendet sie gegen uns - der Boss selbst ist viel zu einfach, aber die Idee dahinter ist echt cool.

Außerhalb des Kampfes haben wir schließlich "Ami", das "Blue Fields" als Thema in der großen Leere ersetzt, und ich finde es echt schade, dass es davon keine Notenrolle gibt, denn das Stück ist einfach wunderschön! In FFVIII wird es gespielt, als Squall & co. sich an ihre gemeinsame Kindheit erinnern, und es passt super dazu, dass Gaia sich, als das Stück einsetzt, wieder an Ryne erinnert.

Eden Blumenmeer FFXIV.png

Überhaupt fand ich die ganze "Gaia erinnert sich"-Szene fantastisch, und obwohl die Handlung allein nicht so prall war, hab ich Rotz und Wasser geheult. Im Prinzip ist die Szene, in der Gaia ein letztes Mal mit Mitron redet, dann allein durch das Nichts läuft und anschließend in einem Blumenmeer in Rynes Armen erwacht, eine ziemlich akkurate Nachbildung jener Szene aus dem Ende von FFVIII, in der Squall durch das Nichts irrt, von seiner Geliebten Rinoa gefunden wird und sich alles um ihn herum in ein Blumenmeer verwandelt. Also, davon ab, dass ich FFVIII vor 15 Jahren als mein erstes FF gespielt habe und ich die Szene bis heute nicht sehen kann, ohne loszuflennen, weiß Square schon, wie man einen FFVIII-Fan hypet.

Aufgelockert wurde das Ganze von ein paar sehr kleinen Geschichten, so hat Gaia im Verlauf der Handlung einen Wadenkrampf, der zwar anders als beim Wadenkrampf-Experten Laguna nichts mit Aufregung zu tun hat, dennoch musste ich gut drüber lachen. Noch einen Laguna haben wir etwas später, als der Krieger des Lichts die Option erhält, über "Liebe, Mut und Freundschaft" zu labern - dieses Kitschgeschwafel ist der Name der Mission in FFVIII, in der es darum geht, Artemisia zu besiegen.

Apropos, kommen wir nochmal auf Artemisia zurück. Zwar ist sie selbst nicht im Eden-Raid aufgetaucht, aber anscheinend hat Square sich sehr viel Mühe gegeben, trotzdem so viel wie möglich von ihr mit einzubringen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Gestalt von Idol of Darkness an ihr Make-Up angelehnt ist, und so wie ich mitgekriegt habe, ist "The Extreme" auch nicht das einzige von ihr, dass es nach E12s geschafft hat - offenbar schmeißt der Boss dort mit dem Apokalypse-Zauber um sich und komprimiert auch die Zeit. Der wohl deutlichste Hinweis auf die Hexe aus FFVIII ist aber Mitrons wahrer Name: bekanntermaßen sind die Namen der Ascians nur ihre Titel aus der Convocation. Emet-Selch heißt eigentlich Hades, Loghrif heißt eigentlich Gaia... und Mitron heißt in Wirklichkeit Artemis. Was übrigens sehr witzig ist, weil Mitron halt ein Kerl ist und Artemisia und die griechische Göttin Artemis... naja, eben nicht.

TL;DR: Die Story von Eden fing sehr stark an, hat zum Ende hin aber leider stark nachgelassen. Was den Raid letztendlich aber echt geil macht, ist der exquisite Fanservice, durch den man über echt viel hinwegsehen und Eden so richtig genießen kann ♥

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